Stellungnahme Hegewald 2025 von Jürgen Böttcher

„Diese Woche war intensiv. Und sie hat mir wieder gezeigt, dass Haltung und Herz stärker sind als jede Schlagzeile.“

Zuerst einmal möchte ich mich von Herzen bedanken.

Bei den VDD-Gruppen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern für die hervorragenden Reviere und die Organisation – gerade unter den besonderen Umständen.

Bei den vielen Helfern die man oft vergisst und bei den Revierinhabern, die alles getan haben, um uns diese Hegewald zu ermöglichen.

Und natürlich bei den Richtern, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld investieren, um uns die größte Jagdhundeprüfung überhaupt zu ermöglichen – die Hegewald.

Für mich ist die Hegewald etwas ganz Besonderes.

Ich gehe für diese Prüfung die „extra Meile“.

Dort schlägt mein Herz, dort trifft sich einmal im Jahr eine große Familie. Es ist nicht nur eine Hundeprüfung – es ist Leidenschaft, Leistung, Freundschaft und Fairness.

Ich habe meine erste Hegewald vor 18 Jahren geführt, auch damals in Schleswig-Holstein, mit meinem ersten selbst gezüchteten Hund, Aika v Jura-Grund. Und vielleicht war es jetzt mit meiner Bruni die Urenkelin meine letzte dort.

Bruni hat eine ganz besondere Geschichte: Sie und ihr Bruder waren die Überlebenden eines Wurfes von 15 Welpen. Ihre Mutter lag im Sterben, sie und ihr Bruder wurden vom ersten Tag an mit der Flasche großgezogen – sogar meine Enkelkinder haben damals mitgeholfen, Tag und Nacht.

Wer das einmal erlebt hat, weiß, dass dadurch eine außergewöhnliche Verbindung entsteht. Diese Hündin begleitet mich seitdem mit einer unglaublichen Energie, mit Herz und mit Willen.

Nach einer beeindruckenden VJP mit 81 Punkten und einer hervorragenden HZP 196 Pk. (12 Ente) war der Druck natürlich groß. Bruni galt schon im Vorfeld als Top-Hündin – entsprechend genau haben viele hingeschaut. Aber genau das ist ja auch das Schöne an der Hegewald: Hier zeigt sich, wer wirklich Leistung bringt.

Am ersten Tag im Feld hat Bruni eine großartige Arbeit gezeigt – die Richter haben nach den 3 Spuren einstimmig die Note 12 auf der Spur vergeben und verkündet.

Als langjähriger Richter sage ich: Was im Feld entschieden wird, muss gelten (egal was im Außen erzählt wird) – sonst stellen wir das ganze Richterwesen infrage.

Am zweiten Tag am Wasser hat Bruni, nachdem sie mich kurz auf die Probe gestellt hat (und damit sicher einigen Zuschauern den Puls nach oben trieb), eine Arbeit gezeigt, bei der selbst die Richter sagten: „Wow.“
Ergebnis: eine 12 am Wasser, eine 12 in der Nase, am Nachmittag folgte bei F/ H-Werte 10/10.

Dann kam die Wende:
Am späten Nachmittag des zweiten Tages wurde mir ohne plausible Erklärung die 12 des ersten Tages aberkannt (alles was ich noch ergänzen könnte wären Interpretationen die nicht sachdienlich
sind).

Ein klärendes Gespräch (am Abend vor der Ranglistenerstellung) mit mir wurde von der Suchen Leitung abgelehnt. Ich habe mich sachlich gewehrt, Einspruch eingelegt und bekam durch Dirk Mayer, den Gruppenvorsitzenden Essen-Ruhr, großartige Unterstützung.

Im Einspruchsverfahren wurden alle drei Richter und die Richteranwärterin einzeln befragt und ihre Notizen und Richterbücher angesehen.

Danke den Richtern für das faire Richten und die aufrichtige Wiedergabe des Gesehenen bei der Befragung vor dem Einspruchsgremium.

Das Ergebnis war eindeutig:
Die Bruni hat die Leistung erbracht und die 12 voll verdient
Die 12 wurde wieder eingetragen, und damit war das Ergebnis wiederhergestellt.

Dass das Ganze kommunikativ unglücklich lief und die Veröffentlichung einer vorläufigen Rangliste zu Missverständnissen führte, ist schade. Aber:

Die wichtigste Erkenntnis bleibt – unser System funktioniert. Die Prüfungsordnung, die unabhängige Richterarbeit und der Einspruchsweg haben bewiesen, dass Recht und Fairness siegen.

Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle meinen langjährigen Weggefährten und Freund Ludwig.
Er war bis zur Korrektur Erster – und hat die Situation mit einer Souveränität und sportlichen Größe getragen, wie man sie sich nur wünschen kann.
Wir kennen und schätzen uns seit vielen Jahren, haben schon viele Hunde gemeinsam geführt und erlebt.
Dass er sich trotzdem so gefreut hat, als alles richtiggestellt wurde, sagt viel über ihn als Mensch und Hundeführer aus.
Ich habe ihm deshalb auf der Bühne symbolisch meinen Preis überlassen – aus Respekt, Freundschaft und Verbundenheit.

Ich weiß, dass manche irritiert waren oder Dinge anders sehen wollten. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die mit Halbwahrheiten und Unterstellungen Stimmung machen. Aber auf dieses Niveau steige ich nicht herab.
Ich möchte die Hegewald als das sehen, was sie ist:

Ein großartiges Stück Jagdhundearbeit, das verbindet – nicht trennt
Die Hegewald ist keine Bühne für Eitelkeit, sondern ein Ort, an dem wir zeigen, was unsere Hunde können – und wie stark Gemeinschaft sein kann.
Dass es diesmal für mich kein „Juhu-Moment“ war, ist okay, so ist das Leben.
Aber das ändert nichts an der Erkenntnis:

Wir haben eine Prüfung, die zu Recht als die Krönung der Jagdhundearbeit gilt.
Ich hätte mir eine klare Erklärung oder ein Wort des Bedauerns von den Verursachern gewünscht –aber das ist kein Beinbruch.
Nochmal Danke an Dirk Mayer , Herbert Tretter, meiner Gruppe und all die Menschen die an uns geglaubt und uns unterstützt haben .

Am Ende zählt, dass niemand benachteiligt wurde, die Leistung steht und die Sache sauber geklärt ist.
Lasst uns wieder dorthin schauen, wo unser Herz schlägt:
Auf unsere Hunde, die Jagd und was uns verbindet.
Denn wer Hunde versteht, weiß, wie Führung geht.

WMH
Jürgen Böttcher